Das weißblaue Beffchen ist das älteste Kabarett evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Bayern. 1979 standen die Freizeitkabarettisten zum ersten mal auf der Bühne des Deutschen Evangelischen Kirchentags – mit so viel Erfolg, dass sie inzwischen regelmässig in Gemeinden und beim Kirchentag auftreten.

Ein Beffchen ist das, was einem evangelischen Pfarrer zum Hals heraushängt. Zum weißblauen Beffchen haben sich im Frühjahr 1976 einige Münchner Pfarrfrauen und Pfarrer zusammengeschlossen. Sie wollten sich, um Lust an der Kirche zu machen, über Allzukirchliches lustig machen.

Das erste Programm zum 175jährigen Bestehen der evangelischen Kirche in München gab der Gruppe den Namen; und auch die nächsten Einstudierungen hielten sich noch im oberbayrischen Rahmen. Erst seit dem Nürnberger Kirchentag 1979 und dem Augsburger internationalen Confessio-Augustana-Fest 1980 gab es »grenzenlosen« Widerhall. Presse, Rundfunk und Fernsehen wurden auf das kuriose »Protestantische Pfaffen-Theater« aufmerksam.

Alle zwei Jahre wurde nun ein neues Programm geliefert. Das Kirchentagsplakat servierte die Anregungen für das Motto. Die Texte wurden stets selbst verfaßt, meist in frustlösender, von Gelächter unterbrochener Gruppenarbeit. Alle Spielerinnen und Spieler schrieben mit. Das Ergebnis verantworteten alle gemeinsam. Das Ziel war klar: »Es wäre gelacht, wenn wir nicht über das, was zum Heulen ist, lachen könnten!«

In den ersten Jahren dominierte der Reim. Später wurde das Kabarett freier und »franker«: Die »altbairischen« Elemente traten in den Hintergrund und die Franken hervor. Aber das entspricht eben der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Freistaat.

Seit 1981 wagten sich »die Beffchens« auch in den preußischen Norden und in den Westen der Republik, 1989 erstmals in das noch geteilte Berlin. Von Höllriegelskreuth nach Zehlendorf war ein weiter Weg; aber inzwischen gehörte das Kabarett für manche Kirchentagsgäste einfach zum Inventar. Als das weißblaue Beffchen 1991 pausieren mußte, gab es Fan-Post: »Wo seid ihr geblieben? Wir haben euch gesucht. Was ist ein Kirchentag ohne euch?«

Das weißblaue Beffchen war eines der ersten Kirchenkabaretts in Deutschland. In den 80er und 90er Jahren kamen viele andere dazu. Doch das »Beffchen« behielt seinen Stil. Die Kirche wurde liebevoll durch den Kakao gezogen, um ihre Schokoladenseite zur Geltung zu bringen. Auf der Bühne standen nur noch Theologinnen und Theologen. Und jede Vorstellung wurde durch den Beffchen-Marsch von Günther Edin eröffnet.

Natürlich brachte die nunmehr über 30jährige Erfolgsstory auch viel Wechsel mit sich. Immer wieder mußten Mitspieler ersetzt werden. Auch im Stil gab es Veränderungen. Der »Brettlhupfer« oder das »Nummerngirl« der ersten Jahre wurde durch raffiniertere Formen der Ansage ersetzt. Die Szenerie wurde professioneller. Eines aber blieb: Immer wieder wurden die verrücktesten Ideen und die unmöglichsten Karikaturen von der Wirklichkeit eingeholt.

Wolfgang Wunderer

Den vollständigen Text lesen Sie in: Das weissblaue Beffchen, Claudius-Verlag (leider vergriffen)